Pressemeldung
 

Ferry Janoska und Peter Wagner lehnen die Überreichung
des Burgenländischen Volkskulturpreises 2015
durch Landeshauptmann Hans Niessl ab -
nicht jedoch den Preis selbst!

Ferry Janoska und Peter Wagner lehnen die Überreichungdes Burgenländischen Volkskulturpreises 2015durch Landeshauptmann Hans Niessl ab -nicht jedoch den Preis selbst!Zugleich ergeht an die zuständigen Stellen der Landesregierung das Ersuchen, die Dotation des Preises in der Höhe von € 1.500.- an die PANNONISCHE TAFEL zu überweisen.Im April wurde ich in Kenntnis gesetzt, dass eine Jury dem burgenländischen Landhauptmann die Vergabe des Burgenländischen Volkskulturpreises 2015 an Ferry Janoska und mich vorgeschlagen habe, u.z. für die Produktion „DER FLUSS – Die Lieder der Lebenden, die Lieder der Toten – Theater-Essay in sechs gesungenen Sprachen des Burgenlandes“.

 

Bis heute fehlt jede offizielle Benachrichtigung an Ferry Janoska und mich, doch wurde uns vom Vorsitzenden der Jury mündlich mitgeteilt, dass die Übergabe des Preises durch Landeshauptmann Hans Niessl am Samstag, dem 20. Juni 2015, 14 Uhr im Dorfmuseum Mönchhof stattfinden werde.

 

Ferry Janoska, Angehöriger einer Volksgruppe, die der Vernichtungsmaschine der Nazis ausgesetzt war, und ich sehen uns durch die Etablierung einer emphatisch unterbemittelten, verhetzten und verhetzenden Partei in der burgenländischen Landesregierung außerstande, aus den Händen des für diese Entwicklung verantwortlichen Landeshauptmannes einen Preis entgegenzunehmen und für das obligatorische gemeinsame Foto zur Verfügung zu stehen. Wir werden aus diesem Grunde auch nicht persönlich bei der Verleihung des Preises zugegen sein, zumal wir das Fest seines Glanzes nicht berauben wollen.

 

Den Preis selbst lehnen wir aus folgenden Gründen NICHT ab:

 

1. wurde er von einer unabhängigen Jury vorgeschlagen;

 

2. kann er als Signal dafür gewertet werden, dass Volkskultur in seiner Komplexität mehr ist als dumpfe Brauchtumspflege - wie uns dies die blaue (Kultur)Politik Kärntens jahrelang vorexerziert hat;

 

3. vergibt der Landeshauptmann mit diesem Preis kein privates Geld, sondern jenes des Steuerzahlers im Namen des Landes Burgenland;

 

4. wollen wir mit der Weiterleitung des Preisgeldes in der vollständigen Höhe von € 1.500.- an die PANNONISCHE TAFEL ein Zeichen für jenen Ausdruck einer Volkskultur setzen, der der Not des anderen Menschen nicht nur mitfühlende, sondern tatkräftige Hilfestellung entgegenbringt.

 

Wir möchten mit diesem Akt daran erinnern, dass es einst vornehmlich das burgenländische Volk war, das in den großen Flüchtlingswellen 1956 und 1989 wie selbstverständlich und aus einem tieferen Wissen um die Not anderer Menschen Hilfe geleistet hat - jenes Volk, das heute so verunsichert erscheint und offenbar zunehmend bereit ist, den Populisten und Hetzern mehr Gehör zu schenken als jenen, die sich nach wie vor um konstruktive Lösungen für immer schwieriger werdende globale Probleme bemühen. 

 

 

Peter Wagner, 19. Juni 2015

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